Diskofieber 2017

Schlimme Szenarien sind es oft, die die Einsatzkräfte vorfinden, wenn sie zu schweren Verkehrsunfällen gerufen werden. Bei der Aktion „Disco-Fieber“ wurde den Schüler/innen der 11. Jahrgangsstufe des RSG und einigen Gästen von der Montessori-Schule eindrücklich vor Augen geführt, welche Folgen verantwortungsloses Verhalten als Autofahrer/in haben kann. Organisiert wurde die Aktion wie jedes Jahr von der StiL-Gruppe des RSG.

Mobilität hat für junge Menschen einen hohen Stellenwert, vor allem in der Freizeit. Am Wochenende ist man häufig nachts mit dem Auto als Fahrer/in oder Beifahrer/in unterwegs zwischen Verabredungen, Partys, Diskotheken. Je fortgeschrittener der Abend, umso größer werden die Risiken im Straßenverkehr, ausgelöst durch Selbstüberschätzung, Gruppendynamik, hohe Geschwindigkeiten, Alkohol, Übermüdung und Ablenkung, z. B. durch Handynutzung oder lärmende Beifahrer. Nahezu die Hälfte aller Verkehrsunfälle von Fahrer/innen der Altersgruppe 18 bis 25 Jahre ereignet sich an Wochenenden, in der Nacht oder den frühen Morgenstunden. „Disco-Unfälle“ nennt sie die Polizei.

Hier setzt die Aktion „Disco-Fieber“ an, die 2003 von einer Elterninitiative ins Leben gerufen wurde. Sie will Prävention leisten durch eine positive Botschaft: „Übernimm Verantwortung für dich und andere – Wir brauchen Dich auch morgen!“ Den jungen Menschen wird im Rahmen der Aktion aufgezeigt, welche Folgen das Eingehen von Risiken im Straßenverkehr für sie selbst, für ihre Familie, Freunde, aber auch für diejenigen hat, die zuerst an der Unfallstelle eintreffen, um zu helfen.

Auch in diesem Jahr übernahm Jürgen Holstein, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Rothenburg, dabei dankenswerter Weise die Moderation. Dass nach wie vor die jungen Fahrer/innen eine besonders gefährdete Gruppe sind, zeigte er den jungen Zuhörern/innen im ersten Teil der Veranstaltung anhand von Zahlenmaterial. Jedoch nicht Statistiken standen im Mittelpunkt, sondern die Berichte der Einsatzkräfte. Diese zeigten, wie sehr das Geschehen am Unfallort nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Rettungskräfte belastet. Sehr eindrucksvoll und anschaulich schilderten neben Jürgen Holstein, der kurzzeitig seine Rolle als Moderator verließ und in die des Kommandanten der Feuerwehr schlüpfte, Peter Körner von der Polizei, Joachim Heldt, Rettungsassistent beim BRK, und Krisenseelsorgerin Barbara Müller die Abläufe am Unfallort, aber auch ihre persönlichen Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle während der Arbeit dort. Aufrüttelnde Fotos von verschiedenen Unfallorten mit völlig demolierten Fahrzeugen und kurze, aber durchaus drastische Filme taten ein Übriges. Sichtlich nachdenklich fanden sich die Schüler/innen anschließend auf dem Schulparkplatz ein, wo sie Dunkelheit, Kälte, Wind und Nieselregen empfingen – durchaus realistische Bedingungen bei einem Unfall im Winter.

Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und der diensthabende Notarzt, Jan Overmans,  führten dort für sie eine Rettungsübung durch, die Joachim Heldt und Jürgen Holstein abwechselnd kommentierten. Dabei wurden mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften zwei „verletzte Opfer“ (Schülerinnen der Q11) aus einem Unfallfahrzeug geborgen. Eindrucksvoll wurde dabei auch das Ineinandergreifen und Hand-in-Hand-Arbeiten der verschiedenen Helfer deutlich. Dieser Einsatz ließ noch einmal die Botschaft „Übernimm Verantwortung für dich und andere!“ lebendig werden.

Das RSG bedankt sich bei allen, die die Aktion Disco-Fieber möglich machen und dafür zum großen Teil auch ihre Freizeit opfern, für ihr großes Engagement. Dank gilt auch dem Autohaus Breitschwert, das das Unfallfahrzeug zur Verfügung stellte.

Gisela Heusinger-Herz