Deutsch

Lesen, lesen, lesen!

Lesen ist, wie uns immer wieder bewusst wird, eine Schlüsselqualifikation für das schulische, aber auch für das anschließende Berufsleben. Diese Tatsache wird uns spätestens seit „Pisa“ immer wieder bewusst gemacht. „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“, ein an sich selbstverständliches Zitat, das uns in den unterschiedlichsten Situationen begegnet. Aus diesem Grunde ist unserer Fachschaft die Leseförderung ein zentrales Anliegen. Die Bandbreite reicht dabei von der wöchentlich fest integrierten Lesestunde in den fünften Klassen über kreative Buchvorstellungen mit Hilfe von umfunktionierten Wäscheleinen und Schuhkartons, die sich in magische Schlösser, Kneipenszenen oder gar in Korallenriffe verwandeln. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ist das kleine Kunstwerk vollendet, sind die Kinder nicht nur stolz, sondern haben auch noch fast „nebenbei“ ein ganzes Buch gelesen. Ein erreichtes Ziel, über das sich alle freuen, nicht nur Lehrer und Eltern. „Wer liest, ist klüger und schlauer“, wer möchte seinem Kind solche Gaben für sein Leben nicht mitgeben?

Die Lust am Lesen kann aber die Schule nicht alleine vermitteln. Als zweifache Mutter weiß ich, wie schön es ist den Kindern vorzulesen. In einer liebevollen und gemütlichen Atmosphäre gemeinsam in eine „andere Welt“ einzutauchen. Welchem Kind gefällt das nicht? Solche Momente tragen nicht nur zur Gemeinschaft in der Familie bei, sondern legen einen wichtigen Grundstein in der Sprachförderung eines Kindes. Sind die Kinder im Grundschulalter, kann man mit ihnen gemeinsam lesen. Wie stolz sind größere Geschwister, wenn sie den „Kleinen“ vorlesen können. Auch ein Ausflug in die Stadtbücherei kann eine lohnenswerte Sache sein.

Natürlich sind es „Allerweltsvorschläge“, Kindern vorzulesen und mit ihnen zu lesen; auch oder gerade die „Klassiker“ unter den Büchern, aber es ist auf jeden Fall lohnenswert für alle Beteiligten. Die Kinder selbst erhalten so einen Einblick in Literatur und deren Motive, Lust an Büchern und nebenbei eine ganze Portion Bildung. Was spricht also gegen einen Versuch?

M. Schlegl

Schauen Sie doch mal, was sich in unserem RSG-Wiki Interessantes über das Fach Deutsch finden lässt.

Im ersten Halbjahr der 11. Jahrgangsstufe steht im Deutschunterricht das Thema „Klassik in der Literatur“ auf dem Programm. In diesem Zusammenhang beschäftigen sich die Schüler und Schülerinnen z.B. mit Schillers „Maria Stuart“ oder Goethes „Iphigenie auf Tauris“. Dabei lernen sie auch die theoretischen Grundlagen dieser Vorstellung von Kunst, die  in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand und sehr lange in vielen Bereichen der Kunst nachwirkte, kennen. Sie lernen, dass die Klassik wie schon die Renaissance auf die antike Kunst zurückgreift, da man sehr viele Impulse aus den vielen Ausgrabungen, die in Italien zu dieser Zeit durchgeführt wurden, erhielt. Auch der bayerische König Ludwig I. begeisterte sich für die antike Kultur und sandte Kunstexperten nach Griechenland und Italien, um Schätze aus der Antike einzukaufen, um seiner Residenzstadt München besonderen Glanz zu verleihen. Dort ließ er auf dem neu angelegten Königsplatz zwei Museen für seine Neuerwerbungen errichten: die Glyptothek, die griechischen und römische Statuen beherbergt, und die Antikensammlung  für Vasen und Kleinkunst. Damit setzte er  neue städtebauliche Akzente. Auch für die Bevölkerung ließ er damit eine neue

Attraktion errichten: Mit der Glyptothek stand nun das erste Museum in Bayern offen, in dem man sich, ohne Eintritt zu bezahlen, stilbildende Vorbilder aus der Antike ansehen und sich auf diese Weise bilden konnte.

Den Königsplatz und die Glyptothek haben die Schüler und Schülerinnen auf einer eintägigen Exkursion besucht, um sich selbst ein Bild davon zu machen, was Goethe, Schiller und ihre Brüder und Schwestern im Geiste der Klassik zu ihren Werken, die auch heute nicht an Gültigkeit verloren haben, inspirierte.

Direkt neben diesen Sehenswürdigkeiten steht das Lenbachhaus, dessen berühmte Sammlung des „Blauen Reiters“ in einem Anbau an die im italienischen Stil erbauten Villa des Malerfürsten Lenbach zu sehen ist. Hier konnten sich die Schüler und Schülerinnen einen Eindruck von einer Gruppe international bekannter Maler wie Kandinky, Münter, Marc und Macke verschaffen, während ein Teil der Gruppe das Deutsche Museum besuchte.

Auf der Heimreise konnten sich alle eine Vorstellung des Begriffes „Odyssee“ machen, denn die Deutsche Bahn hat die Gruppe wegen eines Unfalls, der für den Verunfallten anscheinend glimpflich ausging, auf eine Irrfahrt durch die freitägliche Nacht und das bayerische Schienennetz geschickt. Alle sind mit einer zweistündigen Verspätung gesund, aber etwas müde und hungrig, wieder in Rothenburg angekommen. Heureka!

U. Schmitt

„Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“ Dieser bekannte Ausspruch Karl Valentins traf sicher nicht auf die Klasse 8b zu, denn sie mochte, durfte und traute sich, das wohl bekannteste Ritterdrama des beliebten Volkskomikers eigenständig und einfallsreich fortzuschreiben. Die im Lehrplan der 8. Klassen geforderten Kenntnisse über das Drama setzten die Schülerinnen und Schüler somit gleich praktisch um. Da die ersten beiden Akte des lustigen Spektakels vom „Ritter Unkenstein“ aus dem Lesebuch gut ankamen, der dritte Akt aber nicht im Schulbuch abgedruckt ist, war man sich schnell einig: Wir schreiben uns unseren letzten Aufzug selbst! Rasch wurde ein Schreibplan skizziert, und dann ging es in gemischten Gruppen an die Ausarbeitung der insgesamt sechs Szenen. Zuvor klärte man noch ab, dass folgende Aspekte unbedingt Berücksichtigung finden sollten:

  1. Eine neue Hauptfigur, der „Rodensteiner“, soll auftreten.
  2. Die handelnden Figuren müssen auch durch ihre Sprache charakterisiert werden. In Anlehnung an das Original verwendet unser Ritter Unkenstein gerne altertümliche Wendungen. Bei emotionaler Erregung kippt seine Ausdrucksweise freilich schnell ins Bodenständige um. Töchterlein Kunigunde hingegen bewahrt zwar in prekären Situationen nicht immer die Nerven, ihr gepflegtes Hochdeutsch ist jedoch durch nichts zu erschüttern. Recke Heinrich, bei Karl Valentin als bajuwarisches Urviech angelegt, spricht weiterhin Dialekt, allerdings ersetzten wir sein ursprüngliches Bayrisch durch breites Fränkisch, wobei sich die jungen Dichterinnen und Dichter davon überzeugen konnten,
  3. welch wohlige Wärme unsere regionale Mundart auch als Bühnensprache ausstrahlt.
  4. Die heiteren Anachronismen, die Karl Valentin pointiert ins Mittelalterdrama einbaut („da bleibt´s am Telefondraht hängen“), sollten unbedingt weiterhin Berücksichtigung finden.
  5. Ohne Musik geht’s nicht! Lieder und Gesänge waren für Karl Valentin bekanntlich ein wesentliches dramaturgisches Gestaltungselement.

Um den Leser in das schaurig-schöne Spektakel einzuführen, hier eine kurze Zusammenfassung der ersten beiden Aufzüge.
1. und 2. Akt (Original Karl Valentin): Ritter Unkenstein ist seit vielen Jahrzehnten mit dem Geschlecht der Rodensteiner verfeindet, und seit Rodenstein junior ihm vor Jahren einen Schneeball auf den neuen Harnisch geworfen hat, ist an Versöhnung nicht zu denken. Kunigunde, Unkensteins reizende Tochter, ist in misslicher Lage, hat sie doch heimlich ein Baby zur Welt gebracht, das sie in einem Turm versteckt. Bei einer Belagerung von Unkensteins Burg durch den jungen Rodensteiner beichtet Kunigunde ihrem Vater die Geschichte von dem unehelichen Kind, um einen Kampf zu verhindern, und gibt als Kindsvater den Rodensteiner an. Aufs äußerste erzürnt, dass seine Tochter sich mit dem Erzfeind eingelassen hat, befiehlt Unkenstein Kunigundes Hinrichtung, ein Entschluss, den er unmittelbar nach der Exekution bereut. Doch die Entleibte steht zu seiner Erleichterung putzmunter wieder auf, denn Recke Heinrich, Kunigundes etwas tölpelhafter, jedoch zuverlässiger Vertrauter, hat sie mit einem hochelastischen Gummistrick nur scheinbar vom Leben zum Tode befördert.
An dieser Stelle setzt der 3. Akt der Klasse 8b ein. Wenngleich das Original eine andere Wendung nimmt, so hätte dem großen Volkskomiker diese Variante sicher auch gefallen!

Viel Spaß beim Lesen!

Klasse 8b und Marion Engelmann

RITTER  UNKENSTEIN

Ein Ritterspektakel in drei Aufzügen. Dritter Akt von der Klasse 8b nach dem gleichnamigen Drama von Karl Valentin.

                                                                DRITTER AKT

Erste Szene

Vor Unkensteins Burg. Der Rodensteiner hat von Kunigundes geplanter Hinrichtung gehört und rüstet sich zum Angriff. Dass Kuni dank der List Heinrichs überlebt hat, weiß er noch nicht.

RODENSTEINER: Ach, wie es jetzt wohl meiner Kunigunde gehen mag? Lasst uns stürmen und die Holde retten aus den Klauen des unmenschlichen Vaters.

RITTER GUNTER: Ja, Rodi, und wie gehen wir vor?

RODENSTEINER: Warte! Ich google gerade „Wie stürme ich eine Burg?“

RITTER GUNTER: Was soll der Unsinn, Vetter?

RODENSTEINER: Dann startet jetzt die Kampfjets!

RITTER GUNTER: Du Dackel, die wurden noch nicht erfunden!

RODENSTEINER: Dir geb´ ich gleich Dackel. Obwohl… Dackel ist nicht schlecht! Lasst die Hunde los!   Gebell hinter der Szene

UNKENSTEIN von der Zinne: Who let the dogs out?

ALLE RECKEN  (rhythmisch im Zweivierteltakt): Who, who who, who, who, who?

RODENSTEINER zur Zinne hinauf : He, du Saftsack! Lass bloß die Kunigunde in Frieden!

UNKENSTEINER: Halt die Klappe, du langhaariger Bombenleger!

RITTER GUNTER zu sich: Das kommt bestimmt irgendwann mal auf YouTube…

UNKENSTEINER: Komm doch rüber, wennst was willst!

RODENSTEINER zu Ritter Gunter: Wohlan, Gunter, das war ganz klar eine Einladung.

RITTER GUNTER : So sagt´s der Ritter Bembers auch, jedoch im Dialekt.

Nun denn, Vetter, zum Angriff!!!   nimmt Anlauf

RODENSTEINER: Achtung, Gunter, da liegt ein Haufen!

RITTER GUNTER: Ja sapperlot! (rutscht aus und verletzt sich an seinem eigenen Schwert)

Oh, tut das weh!

RODENSTEINER:  Sei mannhaft!

RITTER GUNTER:  So kann ich nicht attackieren. Ich gehe ins Sanitätszelt. Ab

RODENSTEINER und die übrigen Gefolgsleute:  Zum AAAAAANGRIFF!

Es kracht und rumpelt, man hört Holz splittern. Das Burgtor gibt nach und die Angreifer erstürmen die Festung.  Juhuuu, ihr Memmen! ÜBERRASCHUNG!

Zweite Szene

Im Burghof.  Unkenstein ist von der Zinne gestürmt und eilt den Angreifern entgegen. Er stürzt auf den Rodensteiner zu und schäumt vor Wut.

UNKENSTEIN: Du Wichtigtuer! Du aufgeblasener Ochsenfrosch! Du Verführer! Du hast meine Tochter entehrt!  Das wirst du mir büßen!

RODENSTEINER: Aber das lässt sich doch in Ehren regeln, Schwiegerpapa.

UNKENSTEINER: Nix Schwiegerpapa. Ehrvergessener, nichtswürdiger Ritter! Meine Tochter hast du mir entfremdet. Schon dein Urgroßvater hat meinem Urgroßonkel das Pferd weggenommen und deine saubere Großmutter hat der Halbschwester meiner Großmama die Holzpuppe zertreten. Ich verachte euere ganze Sippschaft!

RODENSTEINER: So lass uns um Kunigunde kämpfen.

Beide ziehen ihre Schwerter und nehmen Kampfstellung ein.  Beider Gefolge hat derweil alle Kampfhandlungen eingestellt und sich einvernehmlich in die Burgkneipe zurückgezogen, man hört Becher klirren und Gemurmel.

UNKENSTEINER holt zum  Schlag aus, doch sein Lichtschwert bricht vorne ab. Unkenstein stößt einige nicht zitierfähige Flüche aus und wirft das demolierte Schwert auf den Boden  So ein Glump! Ich hab´s gewusst, dass das Zeug von diesen Billigketten nichts taugt. Dann werden wir die Sache eben wie echte Männer im Faustkampf klären.

Beide bereiten sich sehr seriös auf den Faustkampf vor: Ärmel nach hinten krempeln, Harnisch ablegen,  gegenseitiges Umkreisen. Während sie sich mit lauernden Blicken immer enger umkreisen, erscheinen die Bergfried Girls auf dem Wehrgang und fangen an zu rappen.

Dritte Szene

BERGFRIED GIRLS: Get out the way, get out the way, get out the way.

Du bist der Rodensteiner, Hosenscheißer

und Blitzableiter – aber kein guter Reiter.

Aber ich, ich bin der Unkensteiner, und mich schlägt keiner!

Refrain: U – N – KE  – ST:  EINER!

Und jetzt alle!

 

CHOR aus der Burgschänke: U – N – KE – ST:  EINER! U- N – KE – ST:  EINER!

BERGFRIED GIRLS: Get out the way, get out the way, get out the way.

Ich werde siegen, euch alle kriegen,

Yeah, yeah, yeah, I don´t care.

Now get out the way, get out NOW!                      Rhythmisch rappend ab 

Vierte Szene

Kleines Zimmer im Bergfried. Kunigunde hat sich mit ihrem Baby und dem Recken Heinrich dorthin geflüchtet, um den Ausgang des Kampfes abzuwarten. Sie wirkt angespannt und ängstlich.

RECKE HEINRICH in breitestem Fränkisch: Siggst, Kuni, etz simmä im sichern Durm, no konnst in allä Ruu mit deim Baby den Kampf abwaddn. Bloß schaua könnä mä na ned.

KUNIGUNDE: Aber gerade deshalb haben wir ja hier den Flachbildschirm installiert, der erst in 500 Jahren erfunden wird, da gibt es in Sport 1 Kampfschau live. Schaltet das Gerät ein und setzt sich mit Heinrich auf das zerschlissene Sofa. Das Baby weint.

RECKE HEINRICH: Naa, ned weina, mei Glaanerla. Des werd dä gfalln. No schau amoll do, auffn Bildschirm, do kämbfn dei Babba und dei Oba, des is schbannendä als Wrestling.    Das Baby gluckst und lallt fröhlich.

 

KUNIGUNDE: Ach, Heinrich, sprich doch nicht so, du weißt doch, wie quälend das alles für mich ist. Zum Baby  Hör nicht auf ihn!

RECKE HEINRICH: Hosd des gsehn, Kuni? Etz dreschens mit die Fäust aufeinandä ei. No, do schau noo, der Rodensteiner liecht am Bodn wie a glaans Kind.

KUNIGUNDE: Was sagst du? Wahrhaftig, er ist gestürzt. Mein Geliebter! So steh doch auf, ich kann ohne dich nicht leben! Weint, das Baby weint mit.

RECKE HEINRICH: Ach Kuni, ich glaab, deä Kampf is no ned vorbei, waddamoll, schau nä noo, dei Geliebter schdehd doch scho widdä auf. Obbä naaa! Dei Vaddä haud na scho widdä a Schelln nei, und etzerdla feechds na echt aus die Schlabbn, dein Rodi.

KUNIGUNDE: Schon wieder? Nein, das kann ich nicht mehr mit ansehen. Ich werde vom Turm springen, dann bin ich erlöst. Steht auf, legt das Baby behutsam aufs Sofa. Mein kleiner Sohn, was soll nur aus dir werden? Ich liebe dich so sehr, aber ohne den Geliebten ist mein Dasein sinnlos.

RECKE HEINRICH: zum Bildschirm gewandt sprechend, auf den Rodensteiner bezogen  Ja, mach halt! Hobb! Auf geht’s.Wos soll des Zögern?

KUNIGUNDE: auf der Fensterbank Nein, ich zögere nicht länger. Lebt wohl auf immerdar! Springt

RECKE HEINRICH: Kuni! Maadla, schau, dei Vaddä daumeld, dei Rodi derrabbld sich, sigst, Kuni, etz gwinnd er doch noch, der Rodi. –  Kuni? Kuni? Wo bisdn, Kuni? Eilt zum Fenster.

Naaa, des darf doch ned woä sei. Etzt schbringd die Dolln aussm Fenster. Wenn des ihr Vaddä sicht, machdä mich gladd an Kopf kürzer. – So ein Glück! Ihr Kleid hodd sich in aaner Gledderrosn verfanga. Etzt rutschts langsam noch unten weg und – ja pfui, etzt fliechds in an riesen Haufn von Rossäpfl. Brost Mohlzeit. Da wird’s fuchzich Bäder brauchn, bis der Gstank widdä verflogn is!.

Das Baby plärrt wie am Spieß.

RECKE HEINRICH: Etzt hältst amoll dei Göschla, du glaana Blägwaffel! Paxi fixi!

Fünfte Szene

Wieder im Burghof. Der Kampf zwischen den beiden Rittern geht in die entscheidende Phase.

UNKENSTEIN mit geballten Fäusten  Lasse dich nicht täuschen von diesem Moment der Schwäche, du wirst mich niemals besiegen, wir bringen´s zu Ende wie wahre Recken, und wenn es bis zum Morgen dauert.

RODENSTEINER sich die Backe haltend, nuschelnd  Geht nicht.  Hab einen Termin beim Kieferorthopäden um vier Uhr.

UNKENSTEIN: Wisse denn: Du bekommst weder meine Tochter noch das Kind.

RODENSTEINER: Welches Kind?

UNKENSTEIN: Na, das von dir und meiner Kunigunde.

RODENSTEINER: Was? Ich habe ein Kind mit der Kunigunde? Und das willst du mir vorenthalten? Sofort will ich das Kind sehen! Wo ist mein Kind?

UNKENSTEIN: Ja, wo ist es eigentlich? Recke Heinrich! Er bringe das Kind auf den Kampfplatz!

RECKE HEINRICH vom Turmfenster aus Naa, gwies ned. Deä Glaa gricht ja a bosdnadales Drauma von eurä Blägerei. Des Buuberla bleibt schö bei miä in Sicherheid, bis ihr euch einich seid, des is viel zu süß.

RODENSTEINER:  O welches Glück, ich habe einen Sohn!

UNKENSTEINER: Heinrich, du wagst es, dich mir zu widersetzen? Du? Mein Knecht? Das büßest du mit deinem Leben!

Unkenstein umklammert sein demoliertes Lichtschwert und will in den Bergfried eilen. In diesem Augenblick sieht man Kunigundes Gestalt beim Sprung aus dem Fenster.

RODENSTEINER und UNKENSTEIN: Kunigunde?! Was macht sie denn? Nein, nicht springen, halt ein, Unglückselige! Wir wollen uns vertragen, Mädchen, mach doch keine Dummheiten!

RODENSTEINER: Gütiger Himmel, sie hat uns nicht gehört und ist gesprungen.

UNKENSTEINER: Meine Tochter!

RODENSTEINER: Meine Liebste!

BEIDE: Grausames Schicksal!  Beide stehen einander niedergeschmettert gegenüber, da kommt Kunigunde mit zerrissenem Kleid und auch sonst reichlich ramponiert nach vorne in den Hof getaumelt.

Sechste Szene

UNKENSTEINER: Kunigunde, teure Tochter! Bist du´s oder ist´s dein Geist?

RODENSTEINER: Geliebte! Du lebst, o Freude! Will sie umarmen, prallt aber zurück.   Ih, du stinkst ja grauenvoll.

KUNIGUNDE wimmernd  Au, au, mein Fuß. Ich glaube, da war eine Stecknadel im Pferdemist.

UNKENSTEIN: Ach, Tochter, ich hatte schon gedacht, du hättest dich zu Tode gestürzt, aber dass du überlebt hat, zeigt uns, dass wir all unseren Groll vergessen sollen. Deshalb werde ich nicht länger hadern und mich mit meinem Erzfeind versöhnen.

RODENSTEINER: Ja, lasst uns Frieden schließen. Forever peace.

RECKE HEINRICH von Turm herabgeeilt, das Baby im Arm   Freilich bies. Und do schau amoll, Rodensteiner, wos du für an budsiggn Sohn hossd.

RODENSTEINER entzückt  Fürwahr, ein echter Roden-Unkensteiner. Du wirst einmal ein edler, mutiger Ritter, mein liebes Söhnchen. Dafür werde ich sorgen.

UNKENSTEINER: Ich verstehe. Du willst deine Familie mit auf deine Burg nehmen. Wohlan, es sei. Aber zuvor kehrst du mir die Rossäpfel von meinem Burghof.

RODENSTEINER: Das ist unfair!

RECKE HEINRICH: A Ru is etzt ums Haus rum. Die Rossbollern nehmer mä zum Dünga von derä Gledderrosen, die dä Kuni es Lehm gredded hodd, und miä verziehn uns zu die andern in die Wäddschaft.

RODENSTEINER: Ja, lasst uns Versöhnung feiern mit fränkischer Brotzeit.

UNKENSTEINER: Und Kloß mit Soß. Und wir rauchen eine Versöhnungsshisha.  Aber vorher muss die holde Maid noch in den Badezuber.

KUNIGUNDE: Ich bin schon unterwegs. Ab 

Die drei Recken gehen in die Schänke. Unkenstein und der Rodensteiner wiegen abwechselnd das Baby. Vom Turm her hört man über Lautsprecher Kunigundes Stimme.

KUNIGUNDE: Ich bitte um Aufmerksamkeit für eine Durchsage. Mein Vater und der Rodensteiner haben sich versöhnt. Alle sind zur Feier dieses glücklichen Ausgangs in die Burgschänke geladen.
Essen und Trinken sind frei. Ende der Durchsage.

Aus der Schänke ertönt Gesang.

CHOR in der Burgschänke:   Im Burghof ob dem Taubertal

feiern wir wie anno dazumal,

holen unsere Shisha raus,

denn der Rodensteiner kommt ins Haus.

Das Menü ist auch schon da,

Leberkäs mit Schäuferla.

Heute hauen wir uns voll!

Der Sauerbraten, der schmeckt toll!

Ja, so warn´s, ja so warn´s, ja so warn´s die alten Ritterleut, ja so warn´s, die alten Rittersleut!

               

                                                    VORHANG