Ethik

Das RSG bietet Ethik ab der 5. Jahrgangsstufe an. Der Unterricht wird von zwei erfahrenen Lehrkräften erteilt, Frau StDin Albang und Herrn StD W. Engelmann. Hier soll in gebotener Kürze über die Einrichtung des Unterrichts und über seinen Gegenstand informiert werden.

Christlicher Religionsunterricht wird für das römisch-katholische und das evangelisch-lutheranische Bekenntnis gegeben. Für Schülerinnen und Schüler, die einer anderen Religion oder einem anderen Bekenntnis angehören oder ohne Bekenntnis sind, ist zunächst das Fach Ethik zuständig. Ein Wechsel von Ethik zum Religionsunterricht und auch umgekehrt, ist zum folgenden Schuljahr grundsätzlich möglich, wenn die Eltern dies wünschen und die aufnehmende Gemeinschaft damit einverstanden ist. Ein solcher Wechsel ist auch während der Qualifikationsphase, also der 11. und 12. Jahrgangsstufe möglich, nur kann dann kein Abitur in Ethik oder Religion abgelegt werden. Ein Übertritt während des laufenden Schuljahres kann nur aus wichtigem Grund erfolgen und muss mit dem Stundenplan vereinbar sein. Näheres ergibt sich aus dem Einzelfall.

Für die zuverlässige Unterrichtsplanung werden die Eltern daher gebeten, bei der Anmeldung ihrer Kinder zu erklären, an welchem der drei angebotenen Unterrichte ihr Kind teilnehmen soll. Diese Willenserklärung der Eltern gilt dann bis auf Widerruf.

Schülerinnen und Schüler mit religiöser Glaubensüberzeugung, für die kein Religionsunterricht am RSG eingerichtet ist, können vom Unterricht im Fach Ethik befreit werden, wenn sie einen entsprechenden Unterricht in ihrer Glaubensgemeinschaft nachweisen. Näheres ergibt sich aus dem Einzelfall. Derzeit ist dies in Rothenburg nicht der Fall.

Der Unterricht in Religion und Ethik wird in allen Jahrgangsstufen mit 2 Wochenstunden erteilt. Da es sich um einen Werte vermittelnden Unterricht handelt, wird er bereits ab mindestens fünf Schülern als eigenständiger, also nicht als ein mehrere Jahrgangsstufen übergreifender Unterricht eingerichtet und findet in der Regel parallel zueinander statt. Bei weniger als 5 Schülern in einer Jahrgangsstufe muss ein die Jahrgangsstufen übergreifender Unterricht eingerichtet werden, der in der Regel nachmittags stattfindet.

Ethik ist wie Religion Vorrückungsfach. Beide Fächer sind Pflichtunterricht und können auch während der Qualifikationsphase, also in der 11. und 12. Jahrgangsstufe, nicht abgewählt werden. P-Seminare sind für alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von Religion und Bekenntnis offen, gemischte Gruppenbildungen also möglich. W-Seminare im Fach Ethik sind nur für Schülerinnen und Schüler zugänglich, die auch das Fach Ethik in der Qualifikationsphase belegt haben.

Das Abitur in Ethik ist nicht verpflichtend, aber möglich. Es kann mündlich als Kolloquium oder schriftlich als 3. Abiturprüfungsfach abgelegt werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass das Fach Ethik auch schon in der 10. Jahrgangsstufe besucht wurde. Wer diese Voraussetzung nicht erfüllt, muss zu Beginn der 11. Jahrgangsstufe, also spätestens bis zu den Weihnachtsferien, eine Prüfung über den Stoff der 10. Jahrgangsstufe ablegen, will er sich die Möglichkeit offenhalten, Abitur in diesem Fach machen zu können. Trotz Prüfung ist das Abitur im Fach Ethik dann aber nicht verpflichtend; nur ohne Prüfung ist es nicht möglich, wenn die 10. Jahrgangsstufe nicht besucht wurde. Daraus folgt, dass wer trotz christlicher Religionszugehörigkeit mit dem Fach Ethik liebäugelt, sich am Ende der 9. Jahrgangsstufe entscheiden sollte, will er sich alle Möglichkeiten ohne Zusatzbelastung offenhalten.

Diese Leitfrage des deutschen Philosophen Kant (1724 – 1804) bezeichnet den Gegenstand der Ethik: Es geht ihr um richtiges, fachlich gesprochen, gutes Verhalten des Menschen. Die Antike stellt dazu den Menschen in eine ihn umgreifende Naturordnung, innerhalb der er ein gelingendes Leben führen soll. Die Moderne geht von der Selbstverwirklichung des Menschen aus. Daher achtet sie auf die logische Widerspruchsfreiheit und soziale Verträglichkeit des Willensentschlusses beim Handeln oder sie beurteilt die Folgen menschlicher Handlungen nach ihrem Nutzen für die Allgemeinheit. Dabei werden Werte, Normen und Tugenden diskutiert, die zu einer sittlichen Grundhaltung führen sollen, um den Schülerinnen und Schülern eine Orientierung beim Führen ihres Lebens zu bieten.

Die Ethik setzt bei der Suche nach Antworten auf alle diesbezüglichen Fragen keinen Glauben an Gott voraus und ist in diesem Sinne auch nicht konfessionsgebunden. Die Frage nach Gott bleibt in der Ethik offen, gehört nicht zu ihrer Methodik der Antwortsuche. Vielmehr untersucht Ethik die Frage guten Verhaltens nur mit der Kraft des menschlichen Geistes, bleibt sich dessen Grenzen aber stets bewusst. Der Respekt vor der Glaubensüberzeugung anderer ist daher selbstverständlich. Auch spielen die Weltreligionen als wichtiges Kulturgut der Menschheit eine zentrale Rolle. Das gilt insbesondere für die drei monotheistischen Weltreligionen, das Judentum, das Christentum und den Islam. Gerade den Religionen war und ist gutes Verhalten ja schon immer ein besonderes Anliegen.

Wer handelt, handelt als Person in einer Gesellschaft. Religion und Ethik widmen sich daher auch ganz lebenspraktischen Fragen. Die Schülerinnen und Schüler werden so bei der oft schwierigen Ichfindung in der sensiblen Phase ihres Lebens zwischen Großkind und jungem Erwachsensein behutsam und altersgemäß begleitet und bei ihrer Orientierung in einer komplexen und pluralen Welt unterstützt. Der Ichfindung und Weltorientierung gelten auch unsere Orientierungstage, an denen sich auch die Ethik beteiligt.

Den Unterrichtsfächern Religion und Ethik ist daher die Werteerziehung der Schülerinnen und Schüler gemeinsam. Religion und Ethik sind keine Konkurrenzunternehmen, sondern arbeiten in Fragen des guten Verhaltens und der wertebewussten Lebensführung zusammen. Gemeinsame Grundlage dabei ist unsere Rechtsordnung, deren Grundgesetz die Würde des Menschen für unantastbar erklärt sowie Achtung und Schutz für sie einfordert. Auch Freiheit und Gleichheit aller Menschen sind durch das Grundgesetz und seine freiheitlich-demokratische Grundordnung garantiert. Die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, ein Leben in Würde, Freiheit und Gleichheit verantwortlich und mündig führen zu können, ist unser aller pädagogisches Anliegen.

W. Engelmann