Geschichte

Dass man die Welt von heute nur verstehen kann, wenn man auch die Vergangenheit kennt und sich mit ihr beschäftigt, ist unbestritten. Um den Schülerinnen und Schülern diesen Zusammenhang bewusst zu machen, aber auch um ihnen zu zeigen, dass es im Geschichtsunterricht nicht nur um das Auswendiglernen von Jahreszahlen und scheinbar verstaubtes Faktenwissen geht, sondern dass das Fach sehr interessant und spannend sein kann, bemühen wir uns am Reichsstadt-Gymnasium nicht nur um eine lebendige und anschauliche Gestaltung des Unterrichts, sondern bieten auch eine Reihe von Aktionen und Projekten an. Ziel ist es dabei immer, den Schülerinnen und Schülern einen lebendigen Einblick in die Welt von früher zu eröffnen und ihnen damit auch ein besseres Verständnis für die Welt von heute zu vermitteln.

Geschichte zum Anfassen können die Schülerinnen und Schüler der 6. Jahrgangsstufe erleben, wenn im Herbst die Museumspädagogen vom Nürnberger „Museum im Koffer“ zu Gast sind und mit einer Fülle von Anschauungsmaterial einen sehr lebendigen und plastischen Einblick in die lang vergangene Epoche der Steinzeit ermöglichen. Nach einer kurzen theoretischen Einführung, die die zeitliche Dimension dieser Geschichtsepoche eindrucksvoll verdeutlicht, haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, einmal selbst auszuprobieren, wie man steinzeitliche Waffen herstellt, mit einfachsten Mitteln ein leckeres „Steinzeitessen“ zusammenbraut oder auch einfache Tongefäße herstellt. Angeleitet von den erfahrenen Museumspädagogen wird die Steinzeit für die jungen Forscherinnen und Forscher, die begeistert bei der Sache sind, dabei im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“.

Bei der Exkursion der 9. Klassen ins Nürnberger Dokumentationszentrum geht es darum, sich mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. Dass dies auch heute noch wichtig ist, zeigt zum Beispiel das Erstarken rechtsradikaler oder rechtspopulistischer Parteien und Gruppierungen in Deutschland und Europa in der letzten Zeit. Um die Schülerinnen und Schüler auf der Basis einer fundierten Information gegen rechtsradikale Tendenzen zu sensibilisieren und zu wappnen, besuchen die Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe im Rahmen des Geschichtsunterrichts daher die Ausstellung „Faszination und Gewalt“ im Nürnberger Dokumentationszentrum, die mit eindrucksvollen Originaldokumenten, Zeitzeugenaussagen und Filmmaterial über die Ideologie und die daraus resultierenden Verbrechen des Nationalsozialismus informiert. Nach dem Besuch der Ausstellung vermittelt eine Führung über das Außengelände einen anschaulichen Eindruck von den Dimensionen des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes. Die Exkursion ergänzt das im Unterricht Gelernte mit einer Anschaulichkeit und Unmittelbarkeit, wie selbst Unterrichtsfilme sie nicht leisten können.

In wohl kaum einer anderen Stadt konzentrieren sich die Probleme und Entwicklungen der modernen deutschen Geschichte so stark wie in Berlin, kann man hier doch sowohl Gedenkorte für die Zeit des Nationalsozialismus besuchen als auch an der Nahtstelle des ehemaligen Ost-West-Konflikts die Spuren der deutschen Teilung hautnah erleben. Dieser historischen Bedeutung Berlins wird auch im Programm der jedes Jahr im Juli stattfindenden Berlin-Fahrt der 10. Jahrgangsstufe, die  unter Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler geplant und organisiert wird, Rechnung getragen. Neben dem Besuch des ehemaligen Reichstagsgebäudes, in dem heute der Deutsche Bundestag untergebracht ist, steht daher regelmäßig der Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen auf dem Programm. Bei Führungen in der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit der DDR wird den Schülerinnen und Schülern auch von Zeitzeugen eindringlich das Schicksal der dort inhaftierten politischen Gefangenen vor Augen geführt.

Wie groß das geschichtliche Interesse, aber auch das Engagement unser Schülerinnen und Schüler ist, zeigt sich auch an der sehr positiven Resonanz auf die für die 11. und 12. Jahrgangsstufe angebotene Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Regelmäßig nehmen zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe an der Exkursion teil, die alle zwei Jahre auf freiwilliger Basis an einem Samstag im Januar oder Februar stattfindet. Bei Führungen durch die Ausstellung der KZ-Gedenkstätte sowie beim Besuch der Außenanlagen erhalten die Schülerinnen und Schüler dabei – nicht zuletzt auch aufgrund der oft klirrenden Kälte im Winter – einen sehr lebendigen und realistischen Eindruck von den Schrecken des Lageralltags während der NS-Diktatur.

Exkursion ins „Bayerische Sibirien“ – Das Konzentrationslager in Flossenbürg

An einem Samstagmorgen im Februar 2016, während alle anderen noch schliefen, standen wir, 40 Schüler der Q11 und Q12, bereits am Parkplatz unserer Schule. Nach einer etwa dreistündigen Busfahrt kamen wir in Flossenbürg an, wo wir von einer Mitarbeiterin in Empfang genommen wurden.

Begleitet von einerseits interessanten, aber andererseits auch erschütternden Informationen und Erzählungen über das Leben im KZ, besichtigten wir die Anlage. Zu dieser gehören neben den teilweise noch erhaltenen Einrichtungen, wie dem Häftlingsbad, dem Friseur und dem Krematorium auch zwei Ausstellungen und eine Gedenkstätte im sogenannten „Tal des Todes“.

Nach der offiziellen Führung blieb noch Zeit, das Gelände selbstständig abzulaufen und sich die Ausstellungen genauer anzusehen. Ein großer Bestandteil dieser sind selbstverständlich die Geschichten der Häftlinge. Neben Kleidungsstücken, Zeichnungen, Briefen und persönlichen Gegenständen, gibt es deshalb auch einen Raum, der sich dem Leben der Insassen vor dem KZ widmet. Die Bilder, die diese Menschen unbeschwert im Kreis ihrer Familie oder Freunde zeigen, die Texttafeln mit ihren Berufen, Lebensumständen und Hoffnungen für die Zukunft, all das macht die grausame Willkür des Ganzen deutlich.

Besonders bewegend war für die meisten auch ein Film, in dem ehemalige Häftlinge von der furchtbaren Realität im KZ erzählten. Der Alltag in Flossenbürg war vor allem durch erniedrigende Appelle, die brutale und lebensgefährliche Arbeit im Steinbruch und immer wieder auch durch Todesfälle gezeichnet. Neben all den Insassen, die bei der Arbeit oder durch die Hand der Nazis umkamen, gab es auch einige, die, zermürbt und jeglicher Hoffnung beraubt, ihrem Leben selbst ein Ende setzten. So stammt aus diesem KZ der traurige Ausdruck „in den Zaun gehen“, womit ein unter Starkstrom stehender Zaun gemeint ist, der das gesamte Gelände umgab und bei einer Berührung den sicheren Tod bedeutete.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass uns die Eindrücke von dieser Exkursion wohl noch lange im Gedächtnis bleiben werden, natürlich in der Hoffnung, dass kein Mensch, jemals wieder solches Unrecht erleiden muss.

Darlin Otto, Stella Unger, Theresa Mühleck

Bilder: Jana Renger

H. Scharrer