Mediation

„JA, DAVON HAB’ ICH SCHON GEHÖRT, ABER WAS SOLL DAS DENN EIGENTLICH SEIN?“

Nach der Pause sind alle deine Stifte im Klassenzimmer verteilt, weil jemand dein Mäppchen heruntergeschmissen hat. – Deine nagelneue Jeans hat nach dem ersten Tag, an dem du sie in der Schule anhattest, schon ein Loch, nur weil dich so ein Typ im Pausenhof angerempelt hat … und der hat sich noch nicht mal dafür entschuldigt!

Solche oder ähnliche Situationen kommen im Schulalltag immer wieder vor und sind auch dir sicher nicht unbekannt … und genau deswegen gibt es am RSG Streitschlichter (Mediatoren)!

Am Dienstag und Donnerstag sind diese
in der zweiten Pause in Raum 102 zu finden.

Ihr könnt sie bei Bedarf aber auch jederzeit ansprechen, wenn Euch im RSG einer über den Weg läuft.

 

Ein Mediator hat die Aufgabe so zwischen Konfliktparteien zu vermitteln, dass diese selbst eine gute Lösung für ihren Streit finden. Dabei geht es nicht darum, gute Freunde zu werden, sondern einen guten Umgang miteinander zu finden, um unbelastet und mit Freude ins Schulgebäude bzw. in die Klasse gehen zu können. Mediation soll eine Hilfe für alle sein, die vielleicht alleine nicht auf eine Lösung eines Streits kommen und diesen aber trotzdem beenden möchten.

Der oberste Grundsatz der Mediatoren ist die Verschwiegenheit – was in dem Gespräch gesagt und verhandelt wird, geht niemanden außer den Betroffenen etwas an!

Das RSG bietet unter der Leitung von OStRin U. Schmitt einen Wahlkurs „Mediation“ an, in dem man sich zum Mediator ausbilden lassen kann. Wenn Du Dich dafür interessiert, sprich Frau Schmitt doch einfach an!

Um aufzuzeigen, wie ein solches Gespräch abläuft, schildern wir ein Beispiel, das uns so auch bei einem unserer Treffen hätte begegnen können:

Zwei Schüler, Norbert und Dirk, haben sich heftig gestritten und Dirk hat das neue FC-Bayern-Trikot von Norbert zerrissen. Die beiden kommen mit dieser Situation aber nicht klar und beschließen, ihr Problem zu lösen. Deswegen gehen sie am Dienstag oder Donnerstag in der zweiten Pause in das Streitschlichterzimmer (Zimmer 102) und machen einen passenden Termin aus, an dem sie sich dann nach dem Unterricht mit zwei Streitschlichtern treffen, um ihren Konflikt zu lösen.

Mit der ersten Phase, in der sich die Mediatoren vorstellen und die Gesprächsregeln erläutern, fängt das Treffen an. Dazu gehört Folgendes: Dirk und Norbert dürfen sich nicht beschimpfen und müssen einander ausreden lassen. Selbstverständlich erzählt niemand hinterher irgendjemandem von den Inhalten des Streitgesprächs und die Schlichter sind unparteiisch. Natürlich müssen alle freiwillig gekommen sein und sich wirklich für eine Lösung interessieren. Sonst hat Mediation kaum eine Chance, erfolgreich zu sein.

In der zweiten Phase beginnt einer der beiden Streithähne, den Vorfall aus seiner Sicht zu schildern. So beschwert sich Norbert darüber, dass Dirk sein nagelneues Trikot zerrissen hat und Dirk nicht bereit ist, den Schaden zu übernehmen. Dirk erzählt aber, dass er vorher von Norbert schlimm gehänselt und beleidigt worden ist und dies sei- ne Rache war. Die Mediatoren wenden in dieser Phase die Gesprächstechnik des „Spiegelns“ an, indem sie das Gesagte mit eigenen Worten wiederholen, um sicherzustellen, alles richtig verstanden zu haben, und sie geben so Norbert und Dirk die Gelegenheit zu Ergänzungen.

Die dritte Phase dient der Erhellung des Konflikts. Mit Fragen wie z. B. „Wie würde es dir gehen, wenn …?“ oder „Kannst du dir vorstellen, wie du dich fühlen würdest, wenn …?“ versuchen die Schlichter Verständnis für die jeweils andere Partei zu wecken. Außerdem schildern Norbert und Dirk ihre Gefühle. Dadurch erkennt Norbert, dass es nicht richtig war, Dirk zu hänseln, und dieser sieht ein, dass das Problem nicht gelöst wird, wenn er Norberts Trikot beschädigt. Auch benennen sie ihre Interessen für die Zukunft. Wenn dieser Perspektivenwechsel gelingt, können in der nächsten Phase Lösungen entstehen; andernfalls ist es schwierig, den Konflikt zufrieden stellend zu klären.

Vierte Phase: Norbert und Dirk schlagen nun Lösungen vor. Dabei ist es äußerst wichtig, dass der Mediator sich zurückhält und die Lösungen von den Betroffenen selbst gefunden werden, denn diese sollen sich anschließend daran halten und wieder miteinander auskommen.

In der letzten Phase wird eine Übereinkunft getroffen. Dabei beschließt z. B. Dirk für den entstandenen Schaden des zerrissenen Trikots aufzukommen und Norbert entschuldigt sich und verspricht, in Zukunft Hänseleien zu unterlassen. Das alles wird in einem Vertrag festgehalten und vertraulich aufbewahrt. Nach zwei Wochen treffen sich alle Parteien noch einmal, um zu besprechen, ob die Lösung funktioniert, oder um eventuelle neue Vereinbarungen festzulegen.

Zwei ehemalige Streitschlichterinnen

S. Anlauf-Grössl