Chronologie

Ursprünge einer Rothenburger Schule finden sich schon im 13. Jahrhundert. Erster Träger war bis zur Reformation der Deutsche Orden, Inhaber der Rothenburger Pfarrei. Ziel war neben dem Erlernen des Lateins eine musikalische Ausbildung mit dem Hintergrund, dass die Schüler mit Chorgesang die Gottesdienste ausgestalten und Priester herangebildet werden sollten.

Im 14. Jahrhundert wurde die kirchlich betriebene Schule zu einer Stadt- oder Bürgerschule, die jedem Bürgerknaben zugänglich war, auch wenn er nicht Pfarrer werden wollte. Die Aufgabenstellung war immer noch auf Kirchenmusik und Latein ausgerichtet. Die Lehrer waren nunmehr keine Pfarrer, sondern von der Stadt angestellte Schulmeister. Wesentliche Inhalte des Schulbetriebs waren: Lesen, Schreiben, Grundelemente des Lateins und Gesangsunterricht. Die Schule war stets den Knaben vorbehalten. Für arme Schüler gab es Stipendien, die ihnen den Besuch der Schule ermöglichten. Erst im 16. Jahrhundert wurde eine eigene Mädchenschule eingerichtet.

Mit der endgültigen Einführung der Reformation in Rothenburg 1544 kam als neues Bildungsziel hinzu, die Jugend im rechten Glauben zu unterrichten.

1554 wurde in Rothenburg eine Schulaufsichtsbehörde, das Scholarchat, eingerichtet, welches später im Konsistorium, der geistlichen Oberbehörde der Reichsstadt, aufging.

Rothenburger Lateinschule (1593 – 1913)

1589-1592 wurde ein neuer Bau für das Gymnasium neben St.Jakob gebaut, in dem das Gymnasium 1593 den Unterricht aufnehmen konnte. Der Unterrichtsbetrieb erlebte eine grundlegende Erneuerung. Die Schüler wurden in vier Klassen eingeteilt, neue Lehrbücher wurden angeschafft, die Lehrmethoden verbessert. Weiterhin standen Latein und Kirchenmusik im Vordergrund des Lehrens. Eine 5. Klasse wurde eingeführt und öffentliche wissenschaftliche Vorlesungen, sogenannte „Lectiones publicae“ wurden abgehalten, zu denen neben den Schülern der Oberklassen und den Lehrern auch die gebildete Oberschicht der Stadt eingeladen war.

Mit dem Einzug in das neue Gebäude wurde der berühmte Chemiker Andreas Libavius zum „Inspector Scholae“ ernannt, ein Amt, das sich weder vor noch nach ihm in Rothenburg nachweisen lässt, das demnach eigens auf seine überragende Person zurechtgeschneidert war. Er war Verfasser der neuen Schulordnung von 1593, die erstmals auch eine Dienstordnung für die Lehrer brachte, im 2. Teil Lehrplan und Lehrmethoden für die einzelnen Klassen festlegte, im 3. Teil eine Disziplinarordnung für die Schüler aufstellt und zum Schluss das Zusammenleben der Alumnen regelte.

Von geringen Unterbrechungen abgesehen wurde während des ganzen Dreißigjährigen Krieges der Schulbetrieb aufrechterhalten. Notwendige Einführungen von Realfächern wie Geschichte, Geographie oder eine stärkere Betonung der Muttersprache wurden noch nicht angegangen. 1683 wurde der deutsche Katechismus verbindlich und um die gleiche Zeit gab es in den Klassen auch deutsche Rechtschreibübungen.

Erst seit Beginn des 18., des aufgeklärten Jahrhunderts drangen wenigstens einige, längst als notwendig erkannte Neuerungen auch am Rothenburger Gymnasium durch, vor allem durch die Einführung neuer Fächer: Mathematik, Physik (worunter man im breitesten Sinne Naturlehre zu verstehen hat), Geschichte, Geographie. Deutsch wurde nicht als Unterrichtssprache verwendet, aber immerhin schon gepflegt. Ein neues Lateinverständnis griff allmählich Platz: nicht so sehr die aktive Beherrschung der Sprache sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die formale und inhaltliche Bildung, die durch das Latein vermittelt wurde. Das Anschaulichkeitsprinzip in allen Fächern gewann an Boden.

Nachdem Ende 1802 kurbayerische Truppen Rothenburg besetzt hatten, wurde das Rothenburger Gymnasium aufgelöst und in eine vierklassige Studienschule umgewandelt, die später wieder Lateinschule genannt wurde. 1874 wurde sie auf 5 Klassen erhöht, ab 1894 zum sechsklassigen Progymnasium ausgebaut. Bereits 1865 wurde der Lateinschule eine Realklasse angehängt, aber erst 1877 begann eine dauerhafte Entwicklung zu einer sechsklassigen Realschule. Sie wuchs beständig weiter, so dass in den Jahren 1912/13 ein Neubau am Bezoldweg errichtet wurde.

Rothenburger Progymnasium (1913 – 1977)

Im Neubau am Bezoldweg wurden 1924 die beiden höheren Schulen in Rothenburg, das Progymnasium und die Realschule, örtlich und organisatorisch vereint. 1937 wurde im Rahmen der NS-Gleichmacherei das Progymnasium abgebaut, die Schule zu einer sechsklassigen Oberschule für Jungen verändert. 1941 begann der Ausbau zur achtklassigen Vollanstalt, die, nach dem langjährigen Rothenburger Oberbürgermeister und späteren bayerischen Ministerpräsident, „Ludwig-Siebert-Oberschule“ genannt wurde.

Nach den Wirren der ersten Nachkriegszeit wurde sie 1946 umbenannt in „Oberrealschule mit Gymnasium“. Der gymnasiale Zweig trocknete zwar mit dem Schuljahr 1961/62 ein, im ganzen aber nahm die Schule, seit 1965 ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium, dem der Name „Reichsstadt-Gymnasium“ verliehen worden war, so umfangreich zu, dass Anbauten erforderlich wurden, was letztendlich zu einem Neubau des Schulhauses an der Bleiche führte.

Reichsstadt-Gymnasium (seit 1978)

Mit dem Schuljahr 1969/70 überstieg die Schülerzahl erstmal die Vierhundert, im Schuljahr 1971/72 wurde die reformierte Oberstufe, die sogenannte Kollegstufe für die 12. und 13. Klasse eingeführt. Dies führte zu enormen Raumproblemen im Schulhaus am Bezoldweg. Eine beträchtliche Anzahl von Klassen musste in Ausweichräume im Jakobsschulhaus ziehen; auch der Bau eines Schulpavillons half nur kurzfristig. Diese akute Raumnot wurde durch den Neubau des Gymnasiums an der Bleiche gelindert. Seit nunmehr 20 Jahren sind wir in diesem herrlichen Bau, geplant von den Architekten Behnisch & Partner und in kurzer Bauzeit durchgeführt durch den Landkreis Ansbach, in nachbarschaftlicher Harmonie zur Hauptschule. In grüner Landschaft, am südlichen Ende von Rothenburg gelegen haben unsere Schüler gute äußere Arbeitsbedingungen.
2004 feierte das Reichsstadt-Gymnasium sein 450-jähriges Bestehen.
Im Jahre 2006 wurde der Erweiterungsbau mit den neuen Fachbereichen Biologie und Chemie eingeweiht.
Zum Schuljahr 2007/08 nahm die Mensa ihren Betrieb im Hauptgebäude auf.