Discofieber

Schlimme Szenarien sind es oft, die die Einsatzkräfte vorfinden, wenn sie zu schweren Verkehrsunfällen gerufen werden. Im Rahmen der Aktion „Disco-Fieber“ wurde den Schülern der 11. Klassen des Reichsstadt-Gymnasiums eindrücklich vor Augen geführt, welche Folgen verantwortungsloses Verhalten als AutofahrerIn haben kann.  

Ein 18jähriger Fahranfänger ist in der Dunkelheit mit 150 Stundenkilometern auf der regennassen Staatsstraße unterwegs zu einem Jugendtreff. Mit im Auto sitzen vier Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren. Der Fahrer verliert in einer Rechtskurve die Kontrolle über sein Fahrzeug und rast gegen einen Baum. Er und drei seiner Beifahrer sterben noch an der Unfallstelle, ein weiterer Jugendlicher wird schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. So geschehen erst vor wenigen Tagen nahe Memmingen.

Dieser Unfall zeigt: Die Aktion „Disco-Fieber“, die in diesem Jahr zum 8. Mal am RSG durchgeführt wurde, ist wichtig und notwendig. Immer wieder werden Einsatzkräfte gerade auf dem Lande zu solchen Unfällen gerufen, bei denen Fahranfänger am Steuer saßen. Wie sehr solche Einsätze nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Rettungskräfte belasten, berichteten im ersten Teil der Veranstaltung eindrucksvoll und anschaulich Peter Körner von der Polizei, Joachim Held, Rettungsassistent beim BRK, Jürgen Holstein, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Rothenburg, und Krisenseelsorgerin Barbara Müller, der oft die traurige Aufgabe zukommt, die Angehörigen von  Todesopfern zu informieren. Die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe des RSG zeigten sich tief beeindruckt von den sehr realistischen und bewegenden Schilderungen und den eingespielten Kurzfilmen, in denen sie mit grausamen Unfallsituationen und ihren Folgen konfrontiert wurden.

Unfälle, wie der oben geschilderte, rütteln auf. Das gleiche gilt für die Unfallzahlen, die Herr Holstein präsentierte. Er war in diesem Jahr erstmals nicht nur in seiner Funktion als Einsatzleiter der Feuerwehr und Referent ans RSG gekommen, sondern hatte zudem die Moderation der Veranstaltung übernommen. Er zeichnete ein erschreckendes Bild: Im Jahr 2014 kamen 94 Jugendliche und junge Erwachsene auf Bayerns Straßen ums Leben, mehr als 2000 wurden schwer verletzt. Aufhorchen lässt dabei die Tatsache, dass der Anteil der 18- bis 24-Jährigen an der Gesamtbevölkerung ca. 8 % beträgt, ihr Anteil bei Verkehrsunfällen aber etwa 17 % ausmacht. Fahranfänger sind demnach überdurchschnittlich häufig an schweren Verkehrsunfällen beteiligt. Zudem ist nahezu die Hälfte der tödlichen Unfälle zurückzuführen auf Fahren ohne Gurt, überhöhte Geschwindigkeit und Alkoholeinfluss. Sie wären also vermeidbar gewesen.

Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen und den Schülern einen realistischen Einblick in die Situation am Unfallort zu bieten, fand der zweite Teil der Aktion bei kalten Temperaturen und einbrechender Dunkelheit am frühen Abend statt. Auf dem Parkplatz des RSG erlebten die Schülerinnen und Schüler hautnah mit, was sich am Unfallort abspielt, nachdem ein Notruf abgesetzt worden ist. Sie wurden Zeugen, wie die Feuerwehr, unterstützt von den Einsatzkräften von Polizei und Rettungsdienst sowie dem Notarzt, Dr. Michael Lintner, zwei Verunglückte mit schwerem Gerät aus einem demolierten Unfallfahrzeug befreite. Aufschlussreich waren dabei die fachkundigen Erläuterungen von Jürgen Holstein und Joachim Held, die den Zuschauern die verschiedenen Schritte und Vorgänge detailliert erklärten.

Die Jugendlichen fanden die nachgestellte Rettungsaktion sehr beeindruckend, aber auch schockierend. Im Namen der Schule bedankten sich die Jahrgangsstufensprecherinnen Ronja Herrschner und Svenja Dänzer bei allen Aktiven für ihr Engagement und den riesigen Aufwand, mit dem die gesamte Aktion durchgeführt wurde.

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