Bye-bye Britain – The Brexit and its Consequences

Werden Doc Martens bald noch teurer? Kann ich mein geplantes Studium in London denn jetzt vergessen? Diese und ähnliche Anliegen brennen den Schülerinnen und Schülern aus der gymnasialen Oberstufe am RSG anlässlich des bevorstehenden Brexit unter den Nägeln. Die spinnen, die Briten, ist die landläufige Meinung hierzulande. Warum sollte man die EU überhaupt verlassen wollen? Und welche Konsequenzen hätte das genau?

Fragen über Fragen, die genügend Anlass boten, Professor Matthias Fifka von der Universität Erlangen/Nürnberg zu bitten, uns in seinem englischen Vortrag vor der Oberstufe dieses Jahr Erläuterungen zur britischen Frage des Jahres zu geben.

Rein historisch sei das Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien noch niemals eine Liebesbeziehung gewesen, erläutert der Wirtschaftsexperte. Eine latente Skepsis gegenüber Europa habe es, wie an einem ersten Referendum zum Austritt bereits im Jahr 1975 ersichtlich ist, auf der Insel immer schon gegeben. Diese erfuhr allerdings seit 2008 stetigen Aufwind durch die Finanz- und Schuldenkrise, durch die Gründung von UKIP und insbesondere durch den Ansturm von Flüchtlingen auf Europa im Sommer 2015. Am 23.06.2016 entschieden sich überraschend 51,9% der Briten für einen Ausstieg aus der EU. Vor dem Referendum war nur wenig über die Folgen des Austritts diskutiert und informiert worden. Heute hingegen wird das Ergebnis des Referendums von vielen Teilen der Bevölkerung bedauert.

Aber warum hat sich eine Mehrheit denn überhaupt dazu entschieden? Vielerorts in Großbritannien wurde die EU als undemokratisch, zu bürokratisch und zu teuer empfunden. Mit 7 Milliarden Euro im Jahr gilt Großbritannien hinter der Bundesrepublik immerhin als zweitgrößter Draufzahler. Außerdem fühlten sich viele Briten trotz jahrzehntelanger Mitgliedschaft noch immer nicht als Europäer. Die Forderung nach einer gerechten Verteilung des Migrantenstroms auf alle EU-Mitgliedstaaten verursachte 2015 zusätzlichen Unwillen. Manch einer der Rechtspopulisten, der für einen Austritt stimmte, wollte mit dieser Option der wirtschaftlichen Elite und den Politikern in London schlichtweg eine Lektion erteilen.
Interessant ist die Beobachtung, dass sich eine Region wie London, also ein Gebiet mit hohem Migrationsanteil, neben Schottland und Nordirland deutlich für den Verbleib aussprach. Betrachtet man die Altersstruktur derer, die sich am Referendum beteiligten, so wird offensichtlich: Je jünger und gebildeter diese waren, desto weniger gewillt waren sie, die EU zu verlassen. Wenn man bedenkt, dass in der Zwischenzeit eine halbe Million der Menschen, die für den Brexit gestimmt hatten, verstorben sind, dann wird verständlich, warum gerade unter den jungen Briten Forderungen nach einer Wiederholung des Referendums und einem „exit from the exit“ lauter und lauter werden.

Weniger als sechs Wochen bleiben noch bis zum Austrittsdatum am 29. März 2019. Nachdem der von Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelte Austrittsvertrag am 15. Januar im Unterhaus mit Zweidrittelmehrheit abgelehnt worden war und die von der Regierung geplante Regelung einer offenen Grenze zwischen Nordirland und der zur EU gehörendenden Republik Irland, der sog. Backstop, im Britischen Parlament neu diskutiert werden muss, sieht im Augenblick vieles nach einer Verschiebung des Austrittsdatums aus. Dies wäre zu wünschen, denn käme es im Fall eines harten Brexits am 29. März zu einem ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der EU, so hätte dies schwere wirtschaftliche Konsequenzen für Großbritannien aber auch für die deutsche Industrie.

Um auf die eingangs gestellten Fragen zurückzukommen: Dies würde bedeuten, dass Güter aus dem Vereinigten Königreich in Deutschland wesentlich teurer und Reisen sowie ein Studium in Großbritannien komplizierter und wahrscheinlich unattraktiver für uns werden. Noch ist es nicht so weit, let´s hope for the best!

B. Steinke

fifka2019