Benimm mit Genuss

„Das Projekt Benimmkurs war echt gut“, lautete das einhellige Urteil der Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a des Reichsstadt-Gymnasiums, nachdem sie am vergangenen Mittwoch, den 05. 05. 2019 an einer Kooperationsveranstaltung mit der Staatlichen Berufsschule Rothenburg teilgenommen hatten. Gut war dabei nicht nur die Organisation des theoretischen Teils des ganztägigen Kurses, sondern auch die anschließende Verköstigung der Gymnasiasten durch die angehenden Köche und Restaurantfachleute zweier Klassen unter der Leitung ihrer engagierten Lehrer Marco und Johanna Juran sowie Herrn Richter.

Da gute Manieren und das Wissen um Benimmregeln im gesellschaftlichen Umgang eine Grundvoraussetzung für Erfolg und Akzeptanz sind, hatte sich die am RSG aktive StiL-Gruppe zum Ziel gesetzt, ein Projekt ins Leben zu rufen, bei  dem  genau diese Kompetenzen bewusst gemacht und auch in realen Situationen angewendet werden können. Bei Herr und Frau Juran von der Berufsschule Rothenburg stieß diese Idee auf große Zustimmung, da hier immer geeignete Partner zum Erproben des in der Fachrichtung Gastronomie erlernten Wissens gesucht sind. Nach ersten Vorgesprächen Anfang des Jahres stand der grobe Ablauf des Projektes fest und  das gemeinsame Projekt von Reichsstadt-Gymnasium und Berufsschule zu diesem Thema konnte durchgeführt werden.

Hierzu hatten die angehenden Restaurantfachleute unter fachkundiger Anleitung ihrer Lehrer Herr und Frau Juran verschiedene Stationen erarbeitet, an denen die Gymnasiasten zunächst theoretische Kenntnisse erwerben konnten. Besonderes Augenmerk hatten die Berufsschüler dabei auf richtiges Verhalten bei Tisch und im beruflichen Alltag mit Kollegen und Vorgesetzten gelegt. Dadurch erhielten die Schüler wertvolle Hinweise zu der für den jeweiligen beruflichen Anlass angemessenen Kleidung und zum richtigen Abstand zum Gesprächspartner bei Unterhaltungen. Außerdem gab es unter Anleitung professionelle Tipps zum Gedeck bei festlichen Anlässen und zu besonderen Speisen wie Austern und Kaviar. Die Schüler der 10. Klasse des RSG hatten dabei auch die Gelegenheit z. B. eine Krawatte zu binden, ohne das Gegenüber zu erdrosslen, und seltene Köstlichkeiten selbst zu probieren, wobei der Umgang mit dem teilweise wie Chirurgenbesteck anmutenden Werkzeug zum Öffnen von Muscheln für den einen oder anderen eine Herausforderung war.

Im Anschluss an den theoretischen Teil folgte die praktische Umsetzung des Gelernten im Restaurant der Berufsschule. Dort hatten die zukünftigen Köche und Köchinnen unter fachkundiger Anleitung von Herrn Richter bereits seit den frühen Morgenstunden an einem Menü für „ihre“ Gäste gearbeitet. Nach dem Empfang mit alkoholfreiem Aperol-Secco und Hugo wurde zunächst der Gruß aus der Küche, das sogenannte Amuse bouche, serviert. Bereits hier zeigte sich das Können der Berufsschüler, die sowohl geschmackvoll zubereitete und angerichtete Speisen darboten als auch diese ebenso professionell servierten. Nach der anschließenden Bärlauchcremesuppe wurden die Gaumen der Gäste, zu denen die ebenfalls anwesenden Direktoren beider Schulen, Herr Dr. Nichterlein und Herr Knäulein, zählten, mit Variationen von regionalem Lamm verwöhnt.  Das  vorzügliche Ragout wurde um eine Variante in Kräutermantel ergänzt. Dazu gab es neben Kartoffelgratin auch Prinzesskartoffeln und Kartoffelkrapfen, die als harmonierende Beilagen die Gemüsespaghetti und Ratatouille-Türmchen perfekt ergänzten. Den Abschluss des 3-Gänge-Menüs bildete ein Nachtisch, bei dem ebenfalls auf die Verarbeitung saisonaler und regionaler Produkte geachtet worden war. Hier kam man in den Genuss von frischem Rhabarberkompott und –sorbet sowie Erdbeercreme in Kombination mit Schokoladencreme. Zu allen Speisen wurden korrespondierende alkoholfreie Rot- und Weißweine gereicht, die das Menü komplettierten.

Besonders hervorzuheben ist hierbei noch einmal der freundliche Umgang der Restaurantfachleute mit den Gästen des RSG. „Die zwei Serviceleute an unserem Tisch waren mega nett“, bescheinigten die Schüler des Gymnasiums daher auch den  jungen Restaurantfachleuten. Man hatte wirklich das Gefühl in einem gehobenen Lokal zu sein und diesen Flair zu genießen. Ein besonderes Lob geht an dieser Stelle  an die Lehrkräfte der Berufsschule Rothenburg, die mit ihren Schülerinnen und Schülern diesen Projekttag sehr gut vorbereitet hatten und an die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse des Gymnasiums, die sehr aktiv sowohl den theoretischen als auch den praktischen Teil des Tages mitgestaltet haben. Ein Projekt, das rundum gelungen ist und hoffentlich im kommenden Schuljahr eine ebenso gelungene Fortsetzung findet. Oder um mit einem Schülerzitat zu schließen: „Alles in allem eine tolle Erfahrung, die ich jedem empfehlen würde.“

Silke Horn