Besuch des Konzentrationslagers Flossenbürg am 25.01.2020

Morgens am 25.01.2020 trafen sich die 83 Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufen elf und zwölf am Busparkplatz des Reichsstadt-Gymnasiums, um sich anschließend auf den Weg nach Flossenbürg im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab zur Besichtigung der dortigen Konzentrations-Gedenkstätte zu machen.

Alle Schüler/-innen, die sich an diesem Samstagvormittag freiwillig zur Teilnahme an dieser Fahrt entschlossen hatten, wurden dann nach Ankunft in Flossenbürg von vier ehrenamtlichen Rundgangsleitern erwartet und in kleinere Gruppen aufgeteilt.

Zu Beginn des Rundgangs wurden uns einige Informationen über das Dorf Flossenbürg und dessen Steinbruch genannt, welcher auch der Grund für die Errichtung dieses Arbeitslagers war. Während wir in der Kälte und im sehr dichten Nebel standen, wurde uns bereits deutlich, unter welch harten Bedingungen die Gefangenen hier ohne Schutz vor Kälte und anderen extremen Bedingungen leben mussten.
Eine Besonderheit, die das Konzentrationslager in Flossenbürg aufweist, ist das Fehlen der eigentlichen Baracken der Gefangenen, da das Gelände nach der Auflösung des Arbeitslagers in ein Industriegelände, auf dem eine Spielzeugfabrik stand, umgewandelt wurde. Diese respektlose Art mit der Geschichte umzugehen, schockte die Schüler/-innen sehr und so auch die verantwortlichen Menschen, die diese Fabrik wieder abrissen, um die Gedenkstätte zu errichten. Der einzige Kritikpunkt vieler Schüler/-innen war, dass die Baracken und Wohnhäuser der Nationalsozialisten nur noch durch eine Steinreihe, als Fundament verdeutlicht wurden.
Im Verlauf des Rundgangs wurde den Schülern/-innen noch das sogenannte Wäschereigebäude gezeigt, in dem die Gefangenen sowohl ihre Kleidung als auch ihre Haare verloren haben und damit unter schrecklichen Bedingungen ihrer Menschenwürde beraubt wurden. Im oberen Teil dieses Gebäudes befindet sich zusätzlich eine Ausstellung über das Lager. Dort wurde beispielsweise die Kleidung der Insassen gezeigt und auf Infotafeln konnten wir einige der persönlichen Lebensgeschichten der Gefangenen kennenlernen. Zum Beispiel die des heute 90jährigen Überlebenden Jack Terry, welche uns Schüler besonders berührt hat, weil er als einziger Überlebender seiner Familie durch die selbstlose Hilfe eines Mitgefangenen und eines Kapos diese Zeit im KZ überleben konnte.
Nach dem Rundgang hatten wir Gelegenheit uns noch frei auf dem Gelände zu bewegen und die Ausstellung zu besichtigen. Während wir im Nebel über das Gelände liefen, wurde uns schnell bewusst, dass wir uns eine derart schreckliche Situation, in der die Häftlinge ständig unter Todesangst litten, heute überhaupt nicht vorstellen können, obwohl die Geschehnisse noch nicht lange her sind.

Abschließend kamen die Schüler/-innen zu der Meinung, dass solche Gedenkstätten sehr wichtig sind und wir diesen Besuch als sehr eindrücklich noch lange in Erinnerung behalten werden. Es ist sehr wichtig für unser Geschichtsverständnis darüber nachzudenken, wie wir alle verhindern müssen, dass es keine Wiederholung solcher Entmenschlichung geben darf, und wohin Hass und Ausgrenzung führen. Darum waren wir uns einig, dass alle Schüler/-innen im Laufe ihrer Schulzeit unbedingt die Möglichkeit haben sollten, solche Gedenkstätten zu besuchen.

Lilly Hausmann
Schülerbericht

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